Good Riddance

glazed stoneware, cast tin, fountain pump
photos below: David Tiefenthaler / hdgö, cc by-nc 4.0
exhibition view: Haus der Geschichte Österreich, 2025



Was wäre, wenn der Altan ins Innere der Hofburg geklappt würde, nach innen gekehrt, und damit zur Ausstellungsfläche des hdgö? Der durch den Nationalsozialismus kontaminierte Ort würde musealisiert, und gleichzeitig würde ein neuer Raum hergestellt werden.

Es ist vielleicht symptomatisch, dass das englische „Good Riddance!“ keine Entsprechung im Deutschen hat. Mit Erleichterung darüber, etwas oder jemanden loszuwerden tut sich das Deutsche schwer, noch mehr mit einer Aufforderung, etwas oder jemanden aktiv zu verabschieden. Es ist damit eine andere Geste aufgerufen als die des Verdrängens. Es ist auch nicht eine langsame Abdrift ins Vergessen gemeint, sondern das Loswerden ist somit verknüpft mit einem Wunsch, dass etwas Anderes ans eine Stelle trete.

Der Entwurf „Good Riddance“ schafft mit einer solchen spekulativen Geste Platz für ein anderes Gedenken. Durch die Verdrehung des Altan nach Innen würde das bestehende Alma-Rosé-Plateau hinaus auf den Heldenplatz geschoben. Es fungierte in Zukunft als Ort des Andenkens an die aus Wien stammende jüdische Geigerin Alma Rosé (*1906). Sie war zu Lebzeiten eine bekannte Geigerin. Mit dem Damenorchester Die Wiener Walzermädeln tourte sie quer durch ganz Europa. Nach dem „Anschluss“ versuchte sie zu fliehen, wurde aber 1943 nach Auschwitz deportiert, wo sie dem Orchester weiblicher Gefangener zugeteilt wurde, mit dem sie musizierte, bis sie 1944 starb.

In Edlbauers Entwurf, würde eine Brunnenanlage auf dem Alma-Rosé-Platz an des ersten Auftritt der erst 15jährigen Musikerin im Kurhaus Bad Ischl erinnern und damit einen Ort des Aufenthalts, aber auch eine neue Geräuschkulisse schaffen. Das in Keramik ausgeführte Modell ist ein Zimmerbrunnen, wie sie eine Weile für Wohnzimmer beliebt waren und deren Geplätscher die Verfasserin dieses Textes schon immer unendlich genervt hat. Der Unkontrollierbarkeit der Erinnerung begegnet die Skulptur mit einem Vorschlag des wilden, vielleicht sogar wütenden, Gedenkens.

Karin Harrasser

english

What if the balcony were folded into the interior of the Hofburg, turned inward, and thus became the exhibition space of the hdgö? The place contaminated by National Socialism would be turned into a museum, and at the same time a new space would be created.

It is perhaps symptomatic that the English expression “Good Riddance!” has no equivalent in German. Germans find it difficult to express relief at getting rid of something or someone, and even more difficult to actively bid farewell to something or someone. This calls for a gesture other than repression. Nor is it meant to be a slow drift into oblivion; rather, getting rid of something is linked to a desire for something else to take its place.

Through this speculative gesture, the “Good Riddance” project creates space for a different kind of remembrance. By turning the balcony inwards, the existing Alma Rosé plateau would be pushed out onto Heldenplatz. In this way, it would serve as a place of remembrance for the Jewish violinist Alma Rosé (*1906), who was born in Vienna. She was a well-known violinist during her lifetime. She toured throughout Europe with the women’s orchestra Die Wiener Walzermädeln. After the Anschluss, she tried to flee, but was deported to Auschwitz in 1943, where she was assigned to the orchestra of female prisoners, with whom she played music until her death in 1944.

In Edlbauer’s proposal, a fountain on Alma-Rosé-Platz would commemorate the 15-year-old musician’s first performance at the Kurhaus Bad Ischl, creating a place to linger as well as a new soundscape. The ceramic model is an indoor fountain, the kind that was popular in living rooms for a while and whose splashing has always annoyed the author of this text immensely. The sculpture counters the uncontrollability of memory with a suggestion of wild, perhaps even angry, remembrance.

Karin Harrasser